Hallig Hooge 2009 - Bericht von Saskia

Reisebericht 2009 „Hallig Hooge, Föhr, Helgoland“

Als ich mich am Samstag den 25. Juli mit Geigenkasten auf dem Rücken auf dem Fahrrad in Richtung Schulwarft zu bewegen versuchte, auf der die anderen Orchestermitglieder schon einen Tag vorher mit dem Proben auf Hallig Hooge begonnen hatten, war ich für ein paar Minuten nicht mehr ganz so begeistert von der Wahl unseres ersten Reiseziels. Der Wind, der über die Hallig fegte war so stark, dass man wohl zu Fuß schneller gewesen wäre… 

Aber kaum war der Probenraum erreicht, strömten mir gute Laune und vor allem die große Lust auf gemeinsames Musizieren entgegen, sodass ich wusste, dass das sicherlich eine tolle Fahrt werden würde, Wind hin oder her!

Für die ersten fünf Tage unserer diesjährigen HKO-Fahrt waren wir auf der Backenswarft von Hallig Hooge untergebracht, wo wir herzlich aufgenommen und bis auf einige kleine Ausrutscher, wie z.B. Schnitzel und Kartoffeln ohne irgendeine Art von Soße, auch gut bewirtet wurden.

Die Zeit bis zum ersten Konzert dieser Reise am Sonntagabend in der kleinen und wirklich heimeligen Halligkirche auf der Kirchwarft verbrachten wir größtenteils natürlich mit Proben, wobei in den Pausen trotzdem genug Zeit blieb, um auf der Hanswarft, der „Downtown“ von Hallig Hooge, in der Sonne ein erfrischendes Getränk oder ein Stück Friesentorte zu genießen. Am Sonntagmorgen durften wir dann unsere Solistin Viola Wilmsen begrüßen, von deren Oboenspiel wir jedes Mal aufs Neue begeistert sind und mit der wir in den folgenden Tagen tolle Proben und Konzerte erleben durften. Dafür noch einmal vielen Dank, Viola! 

In einer unserer Probenpausen wurden wir sogar noch zu einer Tanzstunde für „traditionelle Tänze“ eingeladen und nutzten die Gelegenheit nicht nur als eine willkommene Abwechslung und sondern auch, um Werbung für unser Konzert zu machen. 

Sicherlich auch aufgrund dieser „persönlichen“ Werbeaktion war die Halligkirche dann auch bis auf den letzten Platz gefüllt, inklusive einer Schwalbe, die uns durch das gesamte Programm von Händels „Feuerwerksmusik“ und Bachs „Concerto in F für Oboe und Orchester“ in der ersten Hälfte bis hin zur „Symphonie Nr. 25 in g-moll“  und dem „Konzert in C für Oboe und Orchester“ von Mozart nach der Pause begleitete und auf der Bluse einer Mitspielerin sogar bleibende Spuren hinterließ, wie wir später feststellten. 

Der letzte Tag auf Hooge war dann der Kultur gewidmet. Auf die Besichtigung des Königspesels und die Vorführung des „Sturmflutfilms“ folgte eine Führung durch das Watt. Es ist schon eine spannende Erfahrung, wenn man einmal völlig blind als „Menschenraupe“ über den Wattboden geführt wird oder wenn man feststellt, dass man mit verbundenen Augen nicht in der Lage ist, hundert Schritte auch nur annähernd gerade aus zu gehen. Außerdem haben wir seit diesem Tag ein neues Lieblingstier: Den gemeinen „Raggaewurm“!  

Den Rest des Tages verbrachten wir damit, die Quartettnoten für den Auftritt an der Föhrer Kurpromenade am Folgetag noch einmal anzuspielen.

Genau dorthin brachen wir am Dienstag pünktlich um 8.00 auf. Mit Fähren und Bus ging es zunächst nach Schlüttsiel und von dort über Dagebüll nach Wyk auf Föhr.

Ich denke das gesamte Orchester empfand es als sehr angenehm, das während des gesamten Inselaufenthalts ein Taxiunternehmen für uns zuständig war und uns sowie unser Gepäck sicher zur Jugendherberge und zu den Konzerten transportierte. Den Weg von der Konzertmuschel in der Wyker City zur Jugendherberge mussten wir leider trotzdem samt Instrumenten zu Fuß entlang der Promenade zurücklegen, was besonders unser Kontrabassist Phillip noch gut erinnern dürfte. Die „Straßenmusik“ vor diesem Fußmarsch war jedoch äußerst erfolgreich, sicherlich auch aufgrund unserer Klarinettistin Franzi, die die Passanten charmant mit dem Sammelgeigenkasten umgarnte und gleichzeitig gemeinsam mit Gudrun und Herrn Groenwohldt Werbung für das Konzert am nächsten Tag machte. Herrn Groenewohldt haben wir neben einer Menge Organisationsarbeit während der Fahrt und den kühlen Getränken in der Konzertpause auch einen großen Artikel in der Tageszeitung „Der Inselbote“ zu verdanken. Toll wenn sich Eltern von Mitspielern derart engagieren.

Mit der Essensorganisation erlebten wir in der Jugendherberge Föhr leider einen kleinen Abstieg, denn die dargebotenen Mengen reichten teilweise selbst bei der ersten Runde nicht aus, um jedem eine Portion zukommen zulassen. Das Frühstück mit Brötchen, Joghurt und Müsli stimmte uns jedoch wieder gnädig. Eine neue Erfahrung war es auch, als Volljährige um 22.00 in der Jugendherberge eingesperrt zu sein, da man  uns die falschen Schlüssel übergeben hatte.

Der Konzerttag war dann wieder ganz der Probenarbeit gewidmet, sowohl in der Jugendherberge als auch in der Kirche in Süderende, unserem späteren Konzertort. Auch die dortige Kirche war am Abend gut gefüllt und nachdem die vergessenen Programmhefte pünktlich um 20.03 doch noch Süderende erreichten und während des Konzerts  ein paar zusätzliche Lämpchen die Noten wieder sichtbar machten, wurde das Konzert noch eine Steigerung zu Hallig Hooge und auch den Zuhörern schien es gefallen zu haben, zumindest wenn man nach dem Konzert den mit Scheinen gefüllten Sammelgeigenkasten sah. Der extra telefonisch angemeldete Restaurantbesuch nach dem Konzert lief leider nicht ganz wie erwartet ab, da es kein Essen mehr gab. Und als dann auch noch die beiden Pizzaservices der Insel schon geschlossen hatten, da kam man nur noch lauthals singend gegen den Frust an.

Der Donnerstag war eigentlich für eine Wattwanderung nach Amrum verplant gewesen, aber aufgrund des stürmischen Wetters, das einige von uns schon beim morgendlichen Bad in der Nordsee zu spüren bekamen, liefen die zu überquerenden Priele nicht leer und wir blieben auf der Insel. Einige nutzten die gewonnene Zeit für Kammermusik und einen Besuch im Wellenbad, andere bummelten durch Wyk oder fuhren ins malerische Nieblum und testeten die dortige Friesentorte oder Fischbrötchen.

Nach dem abendlichen Besuch der Milchbar ging es an diesem Abend zeitig ins Bett denn am nächsten Morgen hieß es: „Abfahrt nach Dagebüll um 6.15!“. Gefrühstückt wurde auf dem Schiff und dann begann leider eine kleine Odyssee über Heide, Büsum Hbf und Hafen nach Helgoland. Damit meine ich nicht die Auswirkungen der rauen Nordsee, die einige von uns auf dem Schiff mehr und andere weniger zu spüren bekamen, sondern die äußerst freundlichen Menschen, die uns als junge Musiker begegneten. Das begann mit dem Muffelkellner auf der Fähre, ging weiter mit einem Fahrgast an der Mole in Dagebüll, der uns zusammenbrüllte, weil wir nicht pünktlich in der Bahn saßen, da der Hafenarbeiter genau dreimal mit unserem Gepäck an uns vorbeifuhr. Der krönende Abschluss war dann die Fahrt zum Büsumer Hafen mit einem Bimmelbahnfahrer, der uns mit seiner einem Presslufthammer gleichenden Stimme einwies, wie wir wo zu sitzen hätten und die Gäste, die auf der Fähre nach Helgoland auf uns warteten und uns beschimpften, wir hätten ja einfach früher aufstehen können. So macht Reisen Spaß!!!!

Unterkunftstechnisch war Helgoland leider keine Steigerung, da wir zunächst in der Schule und einen Tag später dann im Gemeindehaus unterkamen und die Toiletten und Duschen der Sporthalle nutzten. Aber aufgrund guter Teamwork bekamen wir auch hier leckere Mahlzeiten und konnten effektiv in der wunderschönen Kirche St.Nikolai proben. Am Abend vor dem Konzert fuhren einige von uns noch hinüber auf die Düne, um das „Open Air“ zu besuchen. Wir entschieden uns dann aber doch für ein Nordseebad im Mondenschein mit anschließender heißer Schokolade, nachdem wir neben den Seehunden, die man am dortigen Strand hautnah erleben konnte,  auch noch ein Stückchen Strand für uns gefunden hatten.  

Auch der Besuch der langen Anna und das Einkaufen zollfreier Ware gehören natürlich zu einem Helgolandbesuch genauso dazu wie die Bewältigung der 184 Stufen zwischen Ober- und Unterland.

Der letzte Tag vor der Abreise und gleichzeitig Konzerttag begann mit einem Gottesdienstbesuch, nach dem fast alle begeistert die Kirche verließen, sowohl wegen des tollen Spiels von Viola als auch wegen der sehr lockeren Predigt des Aushilfspastors, mit dem sogleich Kontaktdaten ausgetauscht wurden. Obwohl (oder vielleicht auch weil?!) wir auf sämtlichen Plakaten als Landesjugendorchester unter der Leitung von Hajo Jobst angekündigt wurden, spielten wir wieder einmal vor dicht gefüllten Kirchenbänken. Natürlich wird man auf so einer Reise mit jedem Konzert routinierter und das zeigte sich an diesem Abend. Sowohl das Publikum als auch wir als Mitwirkende waren begeistert von diesem Abend und genossen den anschließenden Riesenwindbeutel in unserem Helgoländer Stammrestaurant äußerst entspannt und ausgelassen.

Am Montagnachmittag ging es dann nach störungsfreier Zollkontrolle pünktlich zum Einbooten, welches wie auch schon auf der Hinfahrt reibungslos und ohne zu vermeldende Schäden ablief. Die Rückfahrt in den Büsumer Hafen, wo wir schon sehnlichst von Eltern und Geschwistern erwartet wurden, bei strahlendem Sonnenschein und ruhiger See war traumhaft und ein würdiger Abschluss dieser tollen Fahrt. Abschließend kann ich nur sagen, dass die HKO-Fahrt 2009 einfach schön und eine glatte Sache war. Die Gruppe war mit 21 Leuten zwar überschaubar aber ergänzte sich wirklich perfekt, sowohl was Organisatorisches wie Küchendienst oder Einkaufen anging als auch beim gemeinsamen Proben, welches erstmals über die ganze Reise von unserer Konzertmeisterin Sabine geleitet wurde, da Hajo selbst zur Bratsche griff. Der Spaß am gemeinsamen Musizieren war sogar so groß, dass zusätzliche Probenzeit anstelle von Freizeit gefordert wurde, um einige Stellen noch perfektionieren zu können.

Als angenehm empfanden wir auch die unterstützenden Konzertbesuche von Eltern auf dieser Reise.

Das Fazit von uns allen beim letzten gemeinsamen Frühstück vor dem Gemeindehaus war, dass sich eine Nordseetour nächstes Jahr durchaus wiederholen ließe.

 

                                                                                                                                                                  Saskia Schwarz